Welt-Tai-Chi-Tag 2026 in Düsseldorf: Alle waren hinterher entspannt
15 Menschen, eine Wiese, eine Stunde Tai Chi. Foto: Stefan Klemens
Am Samstag, dem 25. April 2026, fand der diesjährige Welt-Tai-Chi-Tag im Düsseldorfer Hofgarten statt. Das Wetter zierte sich zunächst, zeigte sich dann aber von seiner schönsten Seite. Lies meinen persönlichen Rückblick als Organisatorin.
Du möchtest beim nächsten Mal dabei sein? Dann merke dir den Termin am 24. April 2027 vor.
Der Tag in Zahlen
Beim Anfängerkurs waren 15 Teilnehmer dabei, von denen sieben auch zur Mittelstufenstunde blieben – plus weitere Gäste, die im Laufe des Nachmittags dazukamen. Die Gruppe hätte unterschiedlicher kaum sein können: von Anfang zwanzig bis weit in den aktiven Ruhestand, Frauen und Männer, Tai-Chi-Neulinge und Menschen mit Vorerfahrung.
Die Atmosphäre
Der Welt-Tai-Chi-Tag wird weltweit um 10 Uhr Ortszeit gefeiert – eine schöne Idee, allerdings ist der Samstagmorgen nicht immer der praktischste Zeitpunkt. Viele Menschen wollen ausschlafen oder einkaufen gehen. Zudem ist das Wetter morgens oft kühler als am Nachmittag. Ich hatte das Programm deshalb auf 13:30 Uhr gelegt und das war gut so.
Morgens lag noch ein weißer, bedeckter Himmel über Düsseldorf und ab Mittag klarte es zunehmend auf. Als wir begannen, schien die Sonne, und es war angenehm warm, gefühlt um die 20 Grad. Ein schöneres Geschenk hätte uns der Hofgarten kaum machen können.
Die Wiese der Hofgartenkonzerte erwies sich wieder einmal als idealer Ort. Sie ist ruhiger als der westliche Teil des Parks und bietet genug Platz, um sich frei zu bewegen. Zudem gab es eine improvisierte „Garderobe“: eine Picknickdecke, auf der die Teilnehmer ihre Sachen ablegen konnten, da die Wiese noch leicht feucht war.
Was mich besonders berührt hat: In der Pause kamen angeregte Gespräche zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten, in Gang. Einige hatten bereits Erfahrungen mit der Pekinger Form gesammelt, andere kamen vom Yoga. Einige Teilnehmer hatten sich ebenfalls eine Picknickdecke mitgebracht, genossen die Sonne und blieben bis zum Ende des Welt-Tai-Chi-Tags, als auch Stefan und ich aufbrachen. Das ist Tai Chi im Park.

Was wir geübt haben
Der Welt-Tai-Chi-Tag 2026 bot ein abwechslungsreiches Programm.
Anfängerstunde (13:30 – 14:30 Uhr)
Die erste Stunde verging, wie eine Teilnehmerin treffend sagte, wie im Flug. Ich erklärte kurz, was Tai Chi Chuan ist und woher es kommt. Danach folgte ein Warm-up mit Qigong-Übungen, bevor wir gemeinsam die Grundlagen des Tai Chi legten:
- ein stabiler Stand
- knieschonende Gewichtsverlagerung
- Schulterlockerung
Als erste Vorübung zeigte ich die „Doppelte Peitsche“ von Meister Ma Jiangbao (1946–2016), dem Linienhalter des traditionellen Wu-Stils in Europa. In der zweiten Hälfte stand die langsame Form im Mittelpunkt – von der Vorbereitung bis zum Reiterstand.
Zwischendurch kamen aus der Gruppe schöne Fragen. Zum Beispiel die Frage, ob man beim Tai Chi die Augen schließt. Wir halten die Augen offen, denn die Energie des Blicks führt alle Bewegungen. Ob Musik gespielt wird? Auch das nicht. Musik würde von der inneren Wahrnehmung ablenken. Wir lauschen lieber unserem Atem und den Bewegungen unseres Körpers. Und zur Atmung selbst: Wir versuchen nicht, sie zu steuern oder in ein bestimmtes Schema zu pressen. Wir lassen sie einfach natürlich geschehen, denn der Körper weiß selbst am besten, wie er atmen möchte, wenn wir ihm den Raum dafür geben.

Mittelstufenstunde (ca. 14:45 – 15:45 Uhr)
Die Vorkenntnisse waren gemischt, was die Stunde sehr lebendig machte. Ich vertiefte die erste Vorübung um die Komponente der Rotation über die Tai-Chi-Achse. Dann kamen zwei weitere Übungen hinzu:
- die schwungvolle, zweite Vorübung „Tasche heben”, die die Schultern lockert und die Armmuskulatur kräftigt und
- die dritte Übung „Der Kranich lässt die Flügel glänzen”, die etwas leichter ist und den Fokus auf die korrekte Belastung der Hüfte legt.
Anschließend improvisierten wir gemeinsam den ersten Teil der langsamen Form. Meine fortgeschritteneren Teilnehmerinnen stellten sich an den Ecken auf, sodass alle die Bewegungen gut mitverfolgen konnten. Es klappte erstaunlich gut. Eine Teilnehmerin fasste es hinterher wie folgt zusammen: „Die Tai-Chi-Bewegungen sind sehr beruhigend.“ Alle waren entspannt und glücklich, was man ihnen ansah.

Fortgeschrittenenstunde mit Lanze
Zum Abschluss übten zwei Teilnehmer mit mir die Grundlagen sowie erste Bewegungen der 24er-Lanzenform. Ein besonderer Moment: Während wir mit der Lanze arbeiteten, saßen einige aus der vorherigen Stunde auf der Wiese, entspannten sich, praktizierten Yoga-Übungen oder schauten einfach interessiert zu.
Mein persönliches Fazit
Dieser Nachmittag hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn das Wetter mitspielt, die Menschen neugierig sind und ein geeigneter Ort vorhanden ist. Die Wiese der Hofgartenkonzerte ist der ideale Ort: ruhig genug, um wirklich anzukommen, und offen genug, um Menschen anzuziehen, die einfach vorbeikommen und bleiben.
Was ich mitnehme: Der Moment, in dem eine Gruppe von Menschen, die sich nicht kennen, gemeinsam in Bewegung kommt und dabei sichtlich ruhiger wird, ist jedes Mal neu und wunderschön.
Ein herzliches Dankeschön geht an Stefan Klemens. Er verteilte nicht nur die Flyer, bewachte die Garderobe und machte Fotos, sondern machte auch selbst mit vollem Einsatz bei den Übungen mit.
Ab Dienstag, dem 5. Mai 2026, startet ein neuer Anfängerkurs, der von 18 bis 19 Uhr auf der Wiese vor dem Musikpavillon stattfindet. Wer bereits über Vorerfahrung verfügt, kann ab 19:15 Uhr zum flexiblen Training kommen.
Hier findest du die aktuellen Kurse im Hofgarten ☯️

Fotos: Stefan Klemens, schorberg.de



