disCONNECT & CREATE: Ein Morgen mit Tai Chi an der Heinrich-Heine-Universität
Foto vom Morning Stretch mit Tai-Chi: Annalena Zack
„Ich hatte ehrlich gesagt Tritte und tiefe Kampfsportstände erwartet.“ Die Teilnehmerin lachte, während sie nach der Session ihre Schuhe wieder anzog. Was sie stattdessen erlebt hatte, waren langsame, fließende Bewegungen auf einer Wiese in der warmen Morgensonne sowie eine Stille, wie sie am Samstagvormittag auf dem Universitätscampus möglich ist.
Das war der Auftakt zum ersten „Digital Awareness Day“ am 21. Juni 2025 an meiner alten Alma Mater, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
1. Wie ich zu „disConnect & Create“ kam
Von der Initiative „Future meets YOU!“ der Musikerinnen Iliana Grosse-Buening und Ellina Perlin hörte ich erstmals im März 2025. Als ich eine E-Mail der Organisatoren zu einer Partnersuche für das Festival „Düsseldorf disCONNECT & CREATE“ erhielt, habe ich sofort zugesagt und angeboten, den Tag mit einer 30-minütigen Tai-Chi-Session zu eröffnen.
Das Thema des Tages – gesund, kreativ und mit sich selbst verbunden bleiben in einer digitalen Welt – ist der Kern meiner Arbeit als Tai-Chi-Lehrerin. Viele kennen die Situation, wie schwer es fällt, inmitten von Bildschirmen und ständiger Erreichbarkeit die innere Balance zu halten. Genau das gelingt mit Tai Chi und seinen sanften Formen und Bewegungsabfolgen.
2. Die Tai-Chi-Session als Vor-Eröffnung
Wir begannen draußen auf einer Wiese neben dem Hörsaalgebäude. Die Gruppe war gemischt: Studierende, Referenten, Organisatorinnen – Menschen also, die sonst eher mit Laptops und Mikrofonen arbeiten als mit langsamen Kampfkunstbewegungen in der Morgenluft.
Ich führte die Gruppe durch die erste Vorübung des Wu-Stils, die „Doppelte Peitsche“, sowie durch einige Grundelemente der langsamen Form. Schultern lockern, Gewicht verlagern, im Stand ankommen. Es waren keine Vorkenntnisse nötig.
Was mich jedes Mal aufs Neue beeindruckt, ist, wie schnell eine Gruppe in die Stille findet, wenn sie sich gemeinsam bewegt. Nach wenigen Minuten verstummte das Gespräch und der Blick war nach innen gerichtet. Die Geräusche des Campus – Schritte, ein vorbeifahrendes Fahrrad, Vogelstimmen – wurden zur Hintergrundkulisse statt zur Ablenkung.
Die Reaktionen im Anschluss waren herzlich und neugierig. Neben der Teilnehmerin, die Kampfsport erwartet hatte, gab es Menschen, die fragten, wo sie weitermachen könnten, und andere, die kurz innehielten, bevor der offizielle Programmtag begann.

3. Was mich am Tag besonders bewegt hat
Das offizielle Programm war dicht und anregend. Als Tai-Chi-Lehrerin hat mich vor allem der Vortrag von Céleste Spahić angesprochen. Sie ist die Gründerin der Mental-Health-App MINDZEIT. Eine ihrer Aussagen hat mich seitdem nicht losgelassen.
Wir sind mit jedem vernetzt, aber weniger mit uns selbst verbunden.
Genau das beobachte ich in meinen Kursen. Die Menschen kommen erschöpft und kopflastig und merken oft erst während der Bewegung, wie weit sie sich von ihrem eigenen Körper entfernt haben. Tai Chi ist in diesem Sinne also kein Wellness-Angebot, sondern ein Weg zurück zu sich selbst.
Auch der Workshop von Karin Struck zum Thema Selbstfürsorge und Energiemanagement hat mich darin bestätigt. Die Fähigkeit, sich bewusst zu erholen und Grenzen zu setzen, ist keine Schwäche, sondern eine Kompetenz, die in Zukunft immer wichtiger werden wird.

4. Was Tai Chi und diese Diskussion verbinden
Die Referenten des Tages waren sich einig: In einer zunehmend automatisierten Welt werden Fähigkeiten wie Fokus, Selbstreflexion, emotionale Intelligenz und Resilienz immer wichtiger. Genau diese Fähigkeiten werden durch Tai Chi trainiert – nicht theoretisch, sondern praktisch, Schritt für Schritt.
Diese Idee ist keineswegs neu. Aber sie passte genau zu diesem Tag.
Wer tiefer in die wissenschaftlichen Hintergründe einsteigen möchte, findet in meinem ausführlichen Artikel Informationen dazu, welche Studien es gibt und wie Tai Chi konkret auf Kreativität, kognitive Flexibilität und Resilienz wirkt: Tai Chi und Future Skills – was die Forschung sagt.
5. Ausblick
Ob es eine Fortsetzung von „disConnect & Create” geben wird, weiß ich noch nicht. Was ich jedoch weiß, ist, dass das Format – eine Bewegungssession als Eröffnung eines inhaltlich dichten Tages – funktioniert.
Du organisierst eine Veranstaltung mit ähnlichem Thema?
Ob Kongresse, Workshop-Tage, Firmenseminare oder Universitätsveranstaltungen – eine kurze Tai-Chi-Session als Eröffnung, in der Pause oder zum Abschluss gibt den Teilnehmern einen Moment zum Durchatmen und Ankommen.
Ich biete buchbare Sessions zwischen 30 Minuten und einer Stunde an, in Düsseldorf und auf Anfrage auch andernorts.
Kontaktiere mich gerne für ein individuelles Angebot.









