Menü Schließen

Atmen im Tai Chi Chuan: Die Atemformen (mit Übung)

„Wie soll ich bei den Tai Chi-Bewegungen atmen?“ Diese Frage stellen mir die Menschen regelmäßig, seit ich Tai Chi Chuan unterrichte. In diesem Beitrag möchte ich zwei Aspekte zur Atmung beleuchten. Anschließend erzähle ich dir, wie du mit mir arbeiten kannst und stelle dir eine Wahrnehmungsübung zum Atmen vor.

1) Atmen im Tai Chi

Der erste Aspekt ist der Zeitpunkt, ab dem es sinnvoll ist, sich mit der Atmung im Tai Chi Chuan zu befassen.

Für Einsteiger gilt: atme natürlich! 🙂 Mache dir keine Gedanken über die „richtige“ Atmung bei den Bewegungen. Lasse deinen Atem frei fließen! Die Tai Chi-Bewegungen unterstützen den Atemfluss wie von selbst.

Für das Atmen im Tai Chi Chuan ist es wichtig, zuerst die körperlichen Verspannungen zu lösen und der Atemmuskulatur mehr Raum zu geben. Die langsame 108er-Form übst du erst einmal über mehrere Jahre ohne das Atmen. Aus Erfahrung kann ich dir sagen: es gibt vorher sehr viel anderes zu tun! Atemvorgaben würden das Tai Chi-Lernen eher stören und zu mehr Verspannungen führen.

Fortgeschrittene, die schon sehr sicher in der langsamen Form sind, beginnen das Atmen im Tai Chi mit einfachen Qigong-Übungen. Die Atmung im Tai Chi und Qigong ist vergleichbar. Bei den Übungen kann es kurzzeitig zu leichten Verkrampfungen in der Atemmuskulatur kommen. Die optimale Dosis von Einatmen und Ausatmen muss erst gefunden werden und es gilt, weiterhin an den Verspannungen zu arbeiten. Als drittes Element kommt die Atempause ins Spiel, in der die jeweils betonte Atemphase gedanklich verlängert wird.

2) Die Atemformen

Der zweite Aspekt ist ein grundsätzliches Thema: die Atemformen des Menschen.

Einatmen und Ausatmen sind Atemformen, denn sie formen den Körper. Einatmen zieht nach oben und öffnet den Brustkorb. Ausatmen zieht nach unten und verengt den Brustkorb. Interessant ist, dass die Menschen verschieden atmen. Die einen schöpfen ihre Lebensenergie aus dem aktiven Einatmen, die anderen aus dem aktiven Ausatmen. Dies hat einen großen Einfluss auf Körperhaltung und Bewegungsdynamik im Tai Chi. Die unterschiedlichen Richtungen und Stile im Tai Chi Chuan verstärken entweder die Atemform des Einatmens oder des Ausatmens. Idealerweise steht die Bestimmung der Atemform an erster Stelle, um einen Tai Chi-Stil zu finden, der zur eigenen Atemform passt und diese unterstützt.

3) Atme dich frei: Tai Chi & Atemform

Möchtest du mehr über deine Atemform erfahren, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

Zum einen kannst du mein Schnuppertraining „Atme dich frei: Tai Chi & Atemform“ buchen. Mit verschiedenen Übungen finden wir heraus, was sich für dich gut anfühlt und zu welcher Atemform du tendierst. Am Ende gebe ich dir eine Empfehlung, ob der Wu-Stil oder ein anderer Tai-Chi-Stil zu dir passt.

Zum anderen findet zu diesem Thema am 30. April 2022 von 15:00-16:30 Uhr einen Mini-Workshop bei „VAYU. Yoga and more“ in Düsseldorf statt. Hier möchte ich dir einen ersten Zugang zu deiner Atemform vermitteln. Der Workshop ist offen für Tai Chi-Einsteiger und Fortgeschrittene. Wir üben einfache Bewegungen, durch die du Tai Chi Chuan mit geführtem Atem erfahren kannst. Eine Anmeldung über Eversports oder Urbansports ist erforderlich.

4) Übung: Entdecke deine Atemform

Zum Abschluss stelle ich dir eine erste Übung vor, mit der du dich selbst ausprobieren kannst. Es ist eine kleine, aber feine Wahrnehmungsübung aus dem Buch „Die Atemformen beim Menschen. Mit 111 Wahrnehmungsübungen“ (2016) von Marco Gerhards. Er ist Sport- und Gymnastiklehrer sowie Körpertherapeut nach der Methode des Body Reading und studierte biologische Anthropologie. Sein Nachfolgeband „Die Atemformen“ von 2021 fasst die wichtigsten Ergebnisse für die Praxis zusammen.

Wahrnehmungsübung

Setze dich an einen Tisch und lege deine Hände flach auf den Rand des Tisches. Probiere folgende zwei Möglichkeiten und versuche zu erspüren, welche von beiden dir ein größeres Wohlbefinden schenkt. Wann hast du das Gefühl, besser atmen und kraftvoller handeln zu können?

Einatmen: Drücke die Hände auf den Tisch und übe einen Zug zu dir heran aus, ohne die Hände von der Stelle zu nehmen. Atme tief ein und erlebe die Weite im Brustkorb.

Ausatmen: Drücke nun abermals die Hände auf den Tisch und übe jetzt einen Druck von dir weg aus, als ob du den Tisch wegschieben wolltest. Atme lang aus und verenge den Bauchraum.

Wie fühlen sich die Übungsvarianten für dich an?

Welche der beiden Atemformen schenkt dir mehr Lebensenergie?

Weiterlesen

Mehr Übungen aus dem Buch von Marco Gerhards findest du hier: